Du kennst die Situation bestimmt.
Dein Kind kommt auf dich zu „Mama / Papa mir ist soooo langweilig“.
Jetzt gibt es mehrere Optionen.
  1. Du gibst deinem Kind konkrete Ideen und Vorschläge an die Hand, was es gegen seine Langeweile tun könnte.
  2. Du lässt sofort alles stehen und liegen und beschäftigst dich mit deinem Kind, entertainst es, ihr geht zusammen raus, spielt ein Spiel oder Ähnliches. Oder…
  3. Du sagst deinem Kind, dass es sich selbst eine Beschäftigung einfallen lassen soll.
Mal ehrlich und unter uns.
Viele Eltern tendieren dazu dem Kind Vorschläge zu machen.
Einige Eltern lassen tatsächlich immer dann, wenn dem Kind langweilig ist, alles stehen und liegen und spielen den Alleinunterhalter.
Clever ist das nicht unbedingt.
Denn: Langeweile tut unseren Kindern gut!


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Warum die Erfahrung von Langeweile für Kinder wichtig ist




Auch hier gibt es – wie so oft in der Kindererziehung – nicht nur „richtig“ und „falsch“. Außerdem wird dein Kind sicher keine bleibenden Schäden davontragen, wenn du dich für Option 1 oder 2 entscheidest oder dies in der Vergangenheit getan hast.
Aber: Wenn du deinem Kind etwas Gutes tun willst, lass es selbst kreativ werden.
Zwei Szenarien:
  • Erinnerst du dich an deine eigene Kindheit? Also ich kann mich sehr gut an die Tage erinnern, an denen ich ziemlich planlos auf dem Teppichboden meines Zimmers saß und nicht wusste, was tun. Und doch ist einem immer etwas eingefallen. Nach nur kurzer Zeit.

    Man halt selbst Spiele erfunden. Sich stundenlang mit einem Ball oder ein paar Bauklötzen beschäftigen können. Phantasiewelten erfunden. Mit Puppen, Teddies oder Playmobil-Rittern gespielt. Mit Sand, Erde und Matsch experimentiert und seiner Kreativität freien Lauf gelassen.

Heute fällt es Kindern oft extrem schwer diese Zeit der Langeweile mit Kreativität zu füllen. Auch meine Kindheitsfreundin, quasi wie eine Schwester für mich, tat sich schon damals ungemein schwer damit selbst auf Ideen zu kommen oder eine Beschäftigung zu finden.
Kein Wunder. In Zeiten von Smartphone, Tablet und TV kommt diese Form von Langeweile bei Kindern nicht mehr so oft vor. Auch besagte Freundin bekam von ihrer Mutter immer das Handy in die Hand oder den TV angeschalten, sobald sie mal nicht wusste, was sie mit sich anfangen sollte.
  • Das zweite Szenario. Verbringt man mal einen Tag in einer Krippe oder im Kindergarten wird man schnell feststellen: Es gibt zwei Ausprägungen von Kindern. Die einen, die dauernd an der Erzieherin hängen, tausend Mal fragen was man als nächstes spielt, die unterhalten und beschäftigt werden wollen. Und die anderen, die scheinbar vor Kreativität und Ideen nur so sprudeln. Sich stundenlang selbst beschäftigen können und in ihrer Phantasiewelt geradezu versinken. Und genau diese Phantasie und Kreativität sollten wir fördern.




Es ist einem Kind nicht genetisch in die Wiege gelegt, wie gut es sich selbst beschäftigen kann. Genetik spielt dabei nur zum kleinen Teil eine Rolle. Wichtiger ist, wie wir als Erwachsene mit der Langeweile eines Kindes umgehen. Wie wir darauf reagieren, ob wir Langeweile fördern oder das Kind in jeder Stunde des Tages beschäftigen und unterhalten.

Eltern unter Druck: Meinem Kind ist langweilig

Oft setzen Eltern sich selbst enorm unter Druck. Sie reden sich ein schlechte Eltern zu sein, wenn das Kind häufig sagt, dass ihm langweilig ist.

Sie wollen nur das Beste für ihren Sprössling. Eine gute Kindheit, ein glückliches Kind und bestmögliche Förderung.

Langeweile dagegen ist in unserer Gesellschaft mehr und mehr zu einem negativen Gefühlszustand geworden. Auch für Erwachsene.

Bei diesem Entertainment-Programm und vollen Terminkalendern der Kinder bleibt wenig Zeit und Raum für das freie Spielen und Toben. Und vor allem wenig Zeit für Langeweile. Wenn dann mal Ferien sind oder ein verregnetes Herbstwochenende ansteht, fühlen sich Kinder mit der Situation „nichts zu tun zu haben“ oft überfordert. Weil sie nie wirklich gelernt haben mit Langeweile umzugehen.

Wir tun unseren Kindern mit der Rundum-Bespaßung also eigentlich keinen Gefallen. Und Eltern müssen sich auch nicht schuldig fühlen, wenn sie ihrem Kind sagen: „Geh spielen, beschäftige dich selber“.

Langeweile ist wichtige Frühförderung

Gerade sehr kleine Kinder können sich in der Regel stundenlang mit Formen und Farben und ganz einfachen Gegenständen selbst beschäftigen.
Das mag für uns Erwachsene selbst beim Zusehen ziemlich langweilig sein. Aber im Kopf eines Kindes geht dabei unglaublich viel vor und der Lernprozess dabei ist wichtig für die Kleinen.
Ertasten. Fühlen. Verschiedene Strukturen wahrnehmen. Die Physik im Alltag erleben. Was passiert wenn man etwas wirft. Fallen lässt. Rollt?
All diese Erlebnisse müssen Kleinkinder erst lernen und verstehen. Daher ist Langeweile vielleicht auch das falsche Wort. Kleinkinder langweilen sich selten, sie beginnen die Welt um sich herum zu begreifen.



Langeweile fördert die Kreativität

In Zeiten von Baby-Yoga, Ganztagesbetreuung, Ferienlager, Nachhilfe, Klavierunterricht, Volleyballtraining und Co. bleibt weit weniger Zeit für Langeweile bei Kindern, als es noch früher der Fall war. Daher greifen Kinder heute auch vermehrt zu digitalen Medien und Entertainment-Programmen. Was dabei auf der Strecke bleibt – die eigene Kreativität.
In Zeiten des „Sich-selbst-überlassen-seins“ beginnen Kinder kreativ zu werden. Sie nutzen ihre Vorstellungskraft um Dinge zu erfinden.
Dabei braucht es auch kein teures Spielzeug.
Das schöne an der Kreativität von Kindern ist, dass sie aus Alltagsgegenständen mit ihrer Phantasie wunderbare Spielewelten zaubern können.
Da reichen schon Tücher und Schals, Küchenutensilien, Kartons, Gefäße oder einfache Bauklötze. In der Natur lässt sich viel erschaffen mit Wasser, Erde, Blättern und Sand.
Es ist wichtig den Kindern den Rahmen zu schaffen und Ihnen die Zeit zu geben, um ihre Kreativität zu leben.

Langeweile: Der richtige Rahmen ist wichtig

Wie bei fast allem im Leben ist es auch in der Kindererziehung und beim Thema Langeweile: Die richtige Balance ist wichtig.

Man kann von einem dreijährigen Kind nicht erwarten, dass es sich 5 Stunden alleine im Zimmer selbst beschäftigt und keinen Mucks von sich gibt. Genauso wenig ist es Aufgabe der Eltern den Samstag + Sonntag 10 Stunden im Kinderzimmer zu sitzen und den Nachwuchs zu beschäftigen. Der Mittelweg ist hier sicher wichtig.

Zusätzlich ist der Bedarf an Beschäftigung auch alters- und tagesformabhängig. Und natürlich ist es auch wichtig viel Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen, raus in die Natur zu gehen, gemeinsam zu spielen und ihnen die Welt zu zeigen.

Fazit

Abschließend lässt sich auf die Frage „ist es in okay wenn mein Kind sich auch mal langweilt“ sagen:

„Eindeutig Ja!“.

 

Es ist nicht nur okay, es ist auch immens wichtig für die Entwicklung und das Lernen, dass Kinder sich auch mal langweilen.

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